Warum wir uns selbst im Weg stehen – und wie man das erkennt

Wir alle kennen Situationen, in denen wir eigentlich genau wissen, was wir wollen – und trotzdem nicht ins Handeln kommen. Wir schieben Entscheidungen vor uns her, zweifeln an uns selbst oder greifen zu alten Mustern, obwohl sie uns nicht guttun. Von außen wirkt das oft wie „fehlende Motivation“. In Wahrheit steckt dahinter etwas viel Tieferes: ein innerer Schutzmechanismus, der uns vor Unsicherheit bewahren möchte – und uns dabei manchmal blockiert.

Diese Form der Selbstsabotage ist kein Zeichen von Schwäche. Sie ist menschlich. Und sie ist veränderbar, sobald wir verstehen, was in uns passiert.

Was bedeutet es, sich selbst im Weg zu stehen?

Sich selbst im Weg zu stehen heißt nicht, dass wir unfähig sind oder „es nicht schaffen“. Es bedeutet, dass verschiedene innere Anteile unterschiedliche Bedürfnisse haben: Sicherheit, Zugehörigkeit, Kontrolle, Anerkennung. Wenn Veränderung diese Bedürfnisse berührt, entsteht Spannung – und wir halten uns unbewusst zurück.

Typische innere Blockaden zeigen sich zum Beispiel durch:

  • Aufschieben trotz Klarheit

  • Überhöhte Ansprüche oder Perfektionismus

  • Ständige Selbstkritik

  • Chancen nicht nutzen, obwohl sie passen

  • Wiederkehrende Muster in Beziehungen oder im Job

  • Ein Gefühl von innerer Unruhe oder Druck

Diese Muster sind oft alt. Sie haben uns irgendwann einmal geholfen – und sind heute nicht mehr hilfreich.

Warum wir das tun: Die Logik hinter der Blockade

Innere Blockaden entstehen selten aus Bequemlichkeit. Häufig geht es um Schutz: vor Überforderung, vor Ablehnung, vor dem Verlust von Kontrolle oder Identität.

Veränderung – selbst eine gewünschte – bedeutet immer auch Unsicherheit. Und unser System bevorzugt das Bekannte, selbst wenn es uns begrenzt. Deshalb greifen wir zu vertrauten Mustern, auch wenn sie uns nicht weiterbringen.

Wie man erkennt, was wirklich dahintersteckt

Der erste Schritt ist immer Bewusstheit. Nicht Druck, nicht „sich zusammenreißen“, sondern ein genauer Blick auf das, was in uns passiert.

Hilfreiche Fragen können sein:

  • Wovor schützt mich dieses Verhalten gerade?

  • Welche Geschichte erzähle ich mir über mich selbst?

  • Welche Erwartungen oder Rollen halte ich aufrecht?

  • Was würde passieren, wenn ich wirklich ins Handeln komme?

Ein ganzheitlicher Blick hilft: Schlaf, Stress, Beziehungen, Gesundheit, berufliche Belastung – all das beeinflusst, wie klar oder blockiert wir uns fühlen. Berufliches und Privates lassen sich nicht vollständig trennen.

Was hilft, um aus dem Muster auszusteigen

Innere Blockaden lösen sich selten durch Druck. Was hilft, ist Klarheit – und kleine, realistische Schritte.

  • Muster erkennen statt sie zu bekämpfen

  • Innere Anteile verstehen und ihre Funktion würdigen

  • Entscheidungen vereinfachen und Prioritäten klären

  • Ressourcen stärken: Schlaf, Erholung, soziale Unterstützung

  • Sich erlauben, neue Erfahrungen zu machen

  • Begleitung nutzen, wenn man alleine im Kreis denkt

Coaching kann hier wirksam sein, weil es einen Raum schafft, in dem Muster sichtbar werden – ohne Bewertung, aber mit Klarheit und Tiefe.

Sich selbst nicht bekämpfen, sondern verstehen

Sich selbst im Weg zu stehen ist kein persönliches Versagen. Es ist ein Hinweis darauf, dass etwas in uns Aufmerksamkeit braucht. Wenn wir beginnen, diese inneren Dynamiken zu verstehen, entsteht Bewegung: mehr Freiheit, mehr Handlungsspielraum, mehr innere Ruhe.

Veränderung beginnt nicht mit Härte, sondern mit Bewusstheit und einem freundlichen Blick auf sich selbst.

Fotoquelle: Danke an Laurenz Kleinheider / Unsplash

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